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Etappe 22+23 von Sebrayo nach Deva (km478)


Um sieben Uhr machte mich Philipp wach. Er schlief heute Nacht im Bettchen und war hochmotiviert. Santo und ich hatten so gar keine Lust aufzustehen. Ich fühlte mich irgendwie schwach und das sollte auch den restlichen Tag so bleiben.

Im fahrenden Supermarkt hatten wir uns mit Frühstück eingedeckt. Zusammen mit Shelly aßen wir gemütlich während der Rest der Pilgerschaft schon längst unterwegs war. Ich nutzte das morgendliche Sonnenlicht um mein Zelt zu trocknen, während Philipp wieder Stunden brauchte um fertig zu werden. Eine seiner Macken, die gerne hier auf dem Camino bleiben können.

Gegen neun Uhr war alles verpackt und wir machten uns auf den Weg nach Villaviciosa. Das waren 6km und die zogen wir ganz easy durch. Abgesehen von ein paar Steigungen war der Weg ganz angenehm. Wir erreichten das Städtchen und entschieden uns für eine längere Pause. Die nächste größere Stadt lag 22,4km entfernt und die Sonne ballerte mal wieder gnadenlos. Wir suchten uns ein Cafe mit Wifi und machten es uns in einer Ecke bequem. Ich konnte endlich mal meinen Blog schreiben, Santo entspannte und Philipp futterte.

Nach fast 2h machten wir uns wieder auf den Weg. Der Nachbartisch war voll mit ein paar spanischen älteren Ladies, die ihre Augen nicht von Santo lassen konnten. Er wird im Übrigen der Brad Pitt unter den Hunden genannt. Sie fragten mich ob sie ihn mit Boulettchen füttern dürften und das war ausnahmsweise mal ok. Als ich ihnen zeigte, dass er ihnen erst einen Kuss geben muss flippten sie völlig aus. Jede wollte einen Kuss von unserem Dicken und so war das Mittagessen für Santo gesichert.

Nachdem ich ihnen Santo quasi entrissen habe zogen wir schmunzelnd weiter. Doch weit kamen wir nicht. Santo machte nach nicht mal 2km schlapp und so setzten wir uns an einen kleinen Bach und machten Pause.

Santo kühlte sich im kalten Wasser ab und war wie ausgewechselt. Die Hitze macht ihm doch mehr zu schaffen als anfangs gedacht. Bis nach Deva waren es mehr als 20km und schon gestern entschieden wir irgendwo wild zu campen. Nach fünf Kilometern machten wir im Schatten eines Baumes mit wunderschönem Blick nochmal Pause.

Und nach weiteren 4km machten wir Stopp. Ab hier ging es hoch bis auf 439 Höhenmeter und das schaffte heute keiner mehr von uns. Wir setzten uns an eine ausgediente Bushaltestelle und entschieden hier zu nächtigen. Zwischen 2 Glascontainern, einer Papiermülltonne, zwischen Landstraße und Autobahn sollte unser Nachtlager entstehen. Philipp holte aus der Papiertonne zwei riesige Kartons die wir als Unterlage nahmen. Gerade als ich die Isomatten aufrollte, hielt ein Auto. Ein spanisches Pärchen mittleren Alters fragte völlig ungläubig ob wir hier nächtigen wollen. Ich sagte: „si,claro“ mit einem gequälten Grinsen. Sie sagten uns, dass es weiter oben auf dem Weg eine Kirche gäbe wo es weitaus komfortabler wäre. Ich bedankte mich und wir nahmen ihren Tipp an und packten zusammen. Eh ich mich versah standen sie wieder da. Sie fragten uns ob sie uns nicht hochfahren sollen. Und ich nickte natürlich, fast schon überschwänglich. Und so begegneten wir 2 Camino Engeln. Wir verstauten zusammen unsere Sachen und sie fuhren uns zu einer kleinen Kirche die unweit vom Camino lag.

Er zeigte mir zudem noch einen Brunnen in der Nähe, an dem wir uns waschen und unser Trinkwasser auffüllen konnten. Ich bedankte mich mit einer herzlichen Umarmung und schon waren unsere Engel wieder verschwunden und wir richteten uns in einer windstillen Ecke ein. Solche Momente berühren mich sehr. Fremde Menschen, die einem „einfach so“ helfen. Danke ihr Zwei<3
Die Nacht war unruhig. Santo benahm sich ganz anders. Er legte sich in die Nähe der Treppe und es machte den Eindruck als würde er Wache halten. Ich wurde nachts des Öfteren von komischen Geräuschen wach und jedes Mal stand Santo aufgerichtet mit starrem Blick in Richtung Treppe da. Ich fand das irgendwie gruselig und verkroch mich wieder ganz tief in meinen Schlafsack.

Gegen 7.30 war die Nacht zu Ende. Nach einer Katzenwäsche am Brunnen brachen wir auf.

Wir wollten bei den halbwegs kühlen Temperaturen am Morgen, diesen ollen Berg hinter uns bringen. Und es war trotzdem eine Qual. Nach Bilbao hat mich kein Berg mehr so geärgert wie dieser. Ekelhaft steil ging es auf 439 Höhenmeter. Das ist echt fies sage ich euch. An diese steilen Anstiege werde ich mich niemals gewöhnen und will ich auch nicht. Das ist einfach nur eine miese Quälerei und macht keinen Spaß. Naja, irgendwann hatten wir den Berg erklommen und es ging auf der anderen Seite wieder auf 100 Höhenmeter bergab ins kleine Örtchen Peón. Im Casa Pepito gönnten wir uns eine verdiente Stärkung. Mit einem riesen Baguette füllten wir unsere Mägen und ruhten uns aus.

Zurück auf dem Camino ging es nun wieder auf fast 300 Höhenmeter hinauf. Auch das schafften wir mit mehreren Pausen und viel Fluchen. Schließlich erreichten wir Deva gegen 16 Uhr. Ursprünglich wollten wir noch 7,9km weiter nach Gijon. Laut einiger Pilger soll es aber auf Grund eines Festes dort völlig überfüllt sein und so entschlossen wir uns in Deva zu bleiben. Direkt am Ortsanfang gab es einen Campingplatz.
Wir quartierten uns dort ein und ließen den Tag mit einem leckeren Bauernomelette ausklingen. Duschen, Wäsche waschen, ab ins Bett.

BUEN CAMINO 👣💖🐾💖

Kategorien:Allgemein, Camino del Norte, Jakobsweg, Küstenweg, wandern, Wandern mit HundSchlagwörter:, , , , , , , , , , , , , , , , ,

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