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Etappe 6 von Arnope nach Markina-Xemein


Um 6Uhr wurde die Gemeinschaft vom klingelndem Handy einer Dänin geweckt. Die junge Frau hatte gestern ein Glas Rotwein zu viel und komerte fröhlich weiter während alle anderen so langsam aus ihren Pilgerträumen erwachten. Sofort brach das typische Pilgergewusel aus. Jeder packte seinen Rucksack ein/aus/um….es raschelte und raschelte und an schlafen war nicht mehr zu denken. Santo und ich murmelten uns trotzdem nochmal in die Decke und warteten ab bis der Großteil verschwunden war. Gegen 8:30 waren auch wir dann startklar und es ging los. Santo bekam seine obligatorischen fünf Minuten und raste wie ein Wilder über die Felder. Ein gutes Zeichen dachte ich mir. Der Junge ist ausgeschlafen J

Auf der heutigen Etappe erwartete uns ein echt ekeliger Anstieg . Der höchste Punkt heute sollten 504 Höhenmeter sein. Über unangenehm steinige Wege und Betonpisten liefen wir die ersten 2 Stunden nur bergauf. Ein Pärchen aus Straßburg war genauso untrainiert wie wir und hatten auch mächtig zu kämpfen. Wir motivierten uns gegenseitig und irgendwann, gefühlte 5h später war der Anstieg geschafft. Nun ging es eine ganze Weile bergab. Was im übrigen auch ätzend ist. Geht ordentlich auf die Knie kann ich euch sagen. Aber nützt ja nix…weiter gings. Wir streiften durch einen zauberhaften Nadelwald mit unglaublich vielen kleinen zärtlichen Blumen. Uns begegneten Schmetterlinge und sogar eine hübsche Libelle begleitet uns ein Stück. Wir hatten eine tolle Aussicht ins Tal und überhaupt muss ich mal sagen: Der Norden ist landschaftlich der absolute Hammer. Ich habe mich jetzt schon verliebt und komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus.

20160721_150251 Unser Weg führte vorbei an schönen Bauernhäusern und einem zerfallenen Bauernhaus. Wir waren so neugierig sodass wir einen Blick hinein riskierten. Santo war als erster drin und fand auf Anhieb eine Tüte mit Thunfischkonserven die er fein säuberlich ausleckte. In dem Haus war alles noch da. Es sah aus, als wären die Bewohnen vor circa 20 Jahren einfach gegangen oder gestorben. Die Betten waren noch bezogen, in den Kleiderschränken hingen Hemden und Blusen. Nur der vermoderte Boden und das morsche Holz der Schränke und Dielen verriet das hier schon lange keiner mehr lebte. Alle Möbel standen noch da…eine Sitzecke vor dem Kamin…die Küche, einfach alles. Nur ohne Leben. Bis auf die paar Pilger, die es sich hier wohl hin und wieder bequem zu machen scheinen, war es ein echtes Geisterhaus J

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Irgendwann gruselte es mich doch ein wenig und ich zog es vor wieder nach draußen zu gehen. Noch eine ganze Weile beschäftige mich der Gedanke, wer dort wohl lebte und warum sich niemand um dieses schöne Haus gekümmert hatte. Wir wanderten weiter durch die Wälder der Berge und es machte den Anschein als ginge es ständig bergab. Tat es auch bis auf die letzten 4km. Da wollte uns der Berg noch einmal herausfordern und so kämpften wir uns die letzten Kilometer bergauf. Irgendwann jedoch ging es tatsächlich nur noch bergab. Wir konnten das Dorf im Tal bereits sehen und freuten uns es bald geschafft zu haben. Gegen 16 Uhr erreichten wir das kleine Städtchen Markin-Xemein. Ich hatte im Reiseführer gelesen das es hier ein Kloster gibt und mein Gefühl verriet mir, da könnte es klappen. So schleppten wir uns die letzten Kilometer dort hin und wurde mehr als freundlich von Hekto, einem jungen spanischen Mann, begrüßt. Er sagte sofort, kein Problem und ich hätte ihn knutschen könne vor Freude. Es regnete mal wieder, wie häufig in dieser Region, und so war ich froh nicht draußen zelten zu müssen. Da plötzlich eine Frau panische Angst vor Hunden äußerte, entschied Hekto sich, uns in seinem privaten Zimmer unterzubringen. Unglaublich freundlich…ich war so erstaunt. Ich glaube wir haben einen Engel getroffen.

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BUEN CAMINO

Kategorien:Allgemein, Jakobsweg, Küstenweg, Wandern mit HundSchlagwörter:, , , , , , , , , , , , ,

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